Gut, diese Überschrift ist wahrscheinlich ein bißchen selbstreflexiv. Aber sei’s drum, das Problem ist klar.
Wenn man von manchen Dingen öffentlich zugibt, daß man sie mag, wird man üblicherweise von der Familie verstoßen, von seinen Freunden gemieden und bekommt nie wieder eine Frau ins Bett. Modern Talking zum Beispiel, Wackel-Elvisse oder die Filme von Mariah Carey.
Ein aktuelles Beispiel ist Tokio Hotel. Zugegeben, eine von der Musikindustrie über den grünen Klee gehypete Poser-Band mit dem Tiefgang einer Untertasse. Aber zumindest was die abstrakte Qualität der Songs angeht, haben schon viele über den grünen Klee gehypete Poser-Bands ganz Erstaunliches zustande gebracht.
Nehmen wir die Spice Girls. Bezüglich der Sangesqualitäten der Mädels (Mel C einmal ausgenommen) konnte man geteilter Meinung sein – waren sie einfach nur grottenschlecht oder doch hundsmiserabel? Die Songs hingegen vermochten durchaus zu entzücken (“Viva Forever”, “Goodbye” und “Too Much” als Beispiele herausgegriffen) und ließen einen wünschen, es würden sich mal richtige Künstler dieser kompositorischen Perlen annehmen. Vor allem erklärt es auch ihren Erfolg. Denn mit “Scheiß drauf, Hauptsache, sie sehen geil aus” verkauft sich niemand millionenfach.
Auch die vielgescholtene Britney Spears hat(te) in der Hinsicht mehr zu bieten als die üblichen zielgruppenaffinen Leckerli (für geile alte Böcke und pubertierende Kreischkiddies). “Lucky”, “Toxic” oder “Oops I did it again” waren hervorragend komponiert, clever arrangiert und hinreichend erträglich betextet.
Mit den Emo-Goth-Babies von Tokio Hotel verhält sich das nicht viel anders. Ignoriert man einmal, daß sie eine schlechte Kopie sind von The Rasmus, die wiederum eine schlechte Kopie waren von HIM, die wiederum eine schlechte Kopie waren von einem jaulenden Zombie, kann man Stücke wie “Durch den Monsun” durchaus für ihre Emotionalität und schönen Songstrukturen schätzen. Genau wie die Texte, die in deutlicher Beeinflussung durch das Rap-Milieu durch geschickte Aussprachevariation kreativ “zusammen” auf “daran” reimen, ohne daß es einem Trommelfell und Goethe-treues Herz gleichermaßen bluten läßt.
In diesem Sinne: nicht immer nur feste druff uffs Image, sondern auch mal mehr auf die Zwischentöne hören – manchmal lohnt es sich.
Und dieser Text an einem Tag, an dem meine opernsingende beste Freundin Geburtstag hat – perfekt.